FAQ - Tiere beschlagnahmen (EN)

Tiere aus dem illegalen Handel oder aus illegaler privater Haltung zu beschlagnahmen, ähnelt eingentlich dem Einfangen von bissigen Affen: man hat nur eine Chance, danach ist das Tier oder in diesem Fall der illegale Besitzer, gewarnt, und es klappt nicht mehr.

Das Gesetz in Ecuador ist eindeutig: es dürfen keine Wildtiere ohne Erlaubnis des Umweltministeriums in Gefangenschaft gehalten werden. Und wenn doch, dann muss das Umweltministerium die Umweltpolizei schicken, um die Tiere zu konfiszieren, und diese Tiere dann an staatlich autorisierte Tierauffangsstationen - wie den amaZOOnico - weiterleiten. So weit, so gut. Das Umweltministerium ist seit 2 Jahren dezentralisiert, das heisst in Tena gibt es ein Umweltministerium, in dem Menschen aus Tena arbeiten. Tena ist eine kleine Stadt, alle kennen sich. Wenn also jetzt der Verantwortliche des Ministeriums die Polizei zu jemandem nach Hause schickt, um ein Tier zu beschlagnahmen, macht er sich nicht beliebt, und sein Privatleben leidet darunter. Deshalb wird NIE ein Tier in Tena selbst beschlagnahmt, es sei denn bei Händlern auf dem Markt, die von ausserhalb kommen oder in einem fahrenden Zirkus. Und Leute die Boaschlangen in Holzkisten ohne Licht halten, die bekommen auch vom Umweltministerium eine Haltungserlaubnis ausgestellt, wenn sie dort jemanden persönlich kennen, was ja nicht schwierig ist.

Man kann sich sehr ärgern über diese Verhältnisse, wenn man sieht, wie manche Tiere gehalten werden.

Geklappt hat es aber vor ein Paar Monaten:
Unsere Lehrer waren am Wochende in Tena nichtsahnend in einem Zirkus gewesen. Ich sage nichtsahnend, denn ich würde niemals in einen Zirkus in Ecuador gehen, wegen der Tierhaltungsbedingungen, die nichts für weiche Herzen sind. So war es dann auch, sie erzählten von zwei sehr jungen Klammeraffen in einem winzigem Käfig und der Berührung vom Publikum ausgesetzt. Klammeraffen sind, wie unsere Leser wissen, durch das CITES Abkommen strengstens geschützt: CITES Appendix I, da sie akut vom Aussterben bedroht sind. Also haben wir es versucht: das Ministerium angerufen und gesagt, sie müssen diese zwei Affen beschlagnahmen. Kein Problem, war die Antwort. Zur Sicherheit haben wir aber Douwe nach Tena geschickt, damit er den Vorgang überwachte. Zum Glück, sonst wäre nämlich gar nichts beschlagnahmt worden. In Tena konnte sich der Verantwortliche zwar an den Auftrag erinnern, doch die Umweltpolizei war nicht aufzutreiben. Nach ein Paar Stunden Wartezeit haben wir vom amaZOOnico aus nochmals Druck ausgeübt, um Douwe

in Tena zu unterstützen. Als es den Menschen im Ministerium dann zu bunt wurde, haben sie einfach 5 normale Polizisten mit Douwe in den Zirkus geschickt, um die Affen einzupacken. Douwe erzählt, dass der Besitzer zwar keinen Widerstand geleistet hätte, aber plötzlich wäre die ganze Belegschaft des Zirkus da gewesen, und auch die Polizisten hatten es plötzlich sehr eilig, diesen Ort zu verlassen. Zur Sicherheit ist Douwe dann nicht mehr in Tena geblieben, sondern per Taxi aus der Stadt raus, um erst dort in den Bus zu steigen.

Die Klammeraffenweibchen heissen inzwischen Dayuma und Timunka und klettern munter in den Bäumen des amaZOOnicos herum. Sie sind so klein, sie hätten wenig Chancen gehabt, in diesem Zirkus zu überleben.

Nicht geklappt haben unsere Beschlagnahmungsversuche in zwei anderen Fällen.

Waldhüter Jaime meldete uns eines Montags, dass am Freitag zuvor ein Quichua ihm einen jungen Jaguar zum Kauf für den amaZOOnico angeboten hätte. Jaime sagte richtigerweise, dass der amaZOOnico keine Tiere kaufen würde, weil das illegal sei. Das arme Vieh war von Hunden gehetzt worden am Rio Sotano, etwa einen Kilometer hinter Selva Viva am Waoraniterritorium. Auch diese Tiere sind CITES Appendix 1. Da der Jaguar anscheinend schon selbstständig war und noch scheu, hätte man ihn wieder freisetzen können, wenn es schnell passieren würde, bevor er Schaden erleidet in Gefangenschaft. Wir erfuhren, dass das Tier an einen Händler in Ahuano verkauft worden war, der es bei seiner Schwägerin untergebracht hatte. Wieder nahmen wir Kontakt mit dem Ministerium in Tena auf und mit der Umweltpolizei. Und wurden von einem Tag auf den anderen vertröstet. Denn an einem Tag musste der Umweltminister dem Präsidenten beistehen in den Unruhen, am nächsten Tag hatte er kein Auto. Bis Remigio am dritten Tag nach Tena ging und ihn in ein Taxi verfrachtete auf unsere Kosten. Doch als er in Ahuano ankam war es zu spät: der Besitzer behauptete, das Tier sei geflüchtet, andere Menschen erzählten uns, er hätte den kleinen Jaguar nach Riobamba verkauft, und dort verliert sich die Spur. Da gibt es internationale Jaguarschutzprogramme und Konferenzen, aber hier kann man so ein Tier nicht einmal schnell beschlagnahmen. Und einfach hingehen und dem Besitzer das Tier entreissen, das geht nicht. Wer jetzt denkt, wir hätten dem Herrn die Schlechtigkeit seines Tuns vorhalten sollen, der kennt die Prioritäten der Menschen hier nicht. Er hätte uns den Jaguar gerne verkauft, aber niemals ausgehändigt. Und wenn wir den Jaguar gekauft hätten, um ihn wieder loszulassen? Das ist illegal, und auch dumm, weil man dadurch nur den illegalen Handel anheizt. Doch es ist manchmal schwer, diesbezüglich vernünftig zu sein.

Angelika Raimann, Sachamanda Nr. 14 (Juni 2005)
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