| Selva Viva - Biosphärenreservat SUMACO |
|---|
|
Entwicklung für Erhaltung (von Holger Treidel) ...ist das Motto des neuen Biosphaerenreservates „Sumaco“ , das Ende des Jahres 2000 gegruendet wurde und sich ueber Teile der Provinzen Napo, Pastaza, Orellana und Sucumbios im ecuadorianischen Amazonasbecken erstreckt. Aber was ist eigentlich ein Biosphaerenreservat, was der Unterschied zu einem Nationalpark? Und was moechte man durch die Ausweisung eines Biophaerenreservates ueberhaupt erreichen? In einem Nationalpark folgt man generell dem Grundsatz „die Natur Natur sein lassen“. Jede Form menschlichen Eingriffs wird so gering wie moeglich gehalten. Tourismus in einer sanften Form ja, aber keinerlei Nutzung der vorhandenen Ressourcen, keine Agrar- und keine Forstwirtschaft und entsprechend keine weiterverarbeitende Industrie. Dies ist anders in einem Biosphaerenreservat. Hier moechte man vom Wald leben ohne ihn zu zerstoeren und Ressourcen auf oekologische Art und Weise nutzen. Man versucht, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Entwicklung -sowohl im wirtschaflichen als auch im sozialen Sinne - und Erhaltung der Natur. Oft wird ein Biosphaerenreservat grossraeumig um einen Nationalpark herum angelegt als eine Art Schutzguertel, ein Puffer, der den Uebergang „keine Nutzung“ im Nationalparkgebiet zu „volle Nutzung“ ausserhalb abstufen soll. Dabei geht man davon aus, dass der Schutz des Nationalparkgebietes nur durch eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevoelkerung in den benachbarten Zonen moeglich ist. Im Falle des Biosphaerenreservates Sumaco handelt es sich hierbei um die Nationalparke Sumaco und Napo-Galeras, die mit 190.000 bzw. 15.000 ha inmitten der fast 1.000.000 ha grossen Flaeche des Reservates liegen und dessen Kernzone bilden. Ringfoermig schliessen sich nach aussen die Puffer- und die Uebergangszone an. In den beiden aeusseren Zonen wird in Zusammenarbeit des ecuadorianischen Umweltministeriums und der GTZ (deutsche Gesellschaft fuer technische Zusammenarbeit) mit den ortsansaessigen Gemeinden versucht, die zunaechst vielleicht etwas gegensaetzlich klingenden Ziele des Reservates zu verwirklichen: Naturschutz und Entwicklung. Die GTZ hilft hierbei v.a. mit westlichem Know-How in den Bereichen Tourismus, Management, Agrarwirtschaft und bietet darueber hinaus finanzielle Unterstuetzung fuer das Projekt. Aber was genau wird gemacht? Um die Entwicklung im wirtschaftlichen Bereich voranzutreiben werden z.B. Seminare ueber adäquate Bodennutzung angeboten. Die dortige Bevoelkerung soll einen Eindruck bekommen vom Naehrstoffhaushalt der Boeden, sie sollen lernen, dass man dem Boden die Naehrstoffe zurueckgeben muss, die man ihm mit der Ernte entnommen hat, wenn man ueber lange Zeit einen guten Ertrag erzielen moechte. Darueber hinaus kann durch verstaerkte Duengung eine Steigerung der Produktivitaet erreicht werden. Auch in Bezug auf die Vermarktung der Produkte wird Hilfe angeboten: welche Produkte baue ich an? Fuer den lokalen Markt oder fuer den Export? Und wenn Export, wie kann ich die Gueter konservieren? Ziel ist es, innerhalb des Reservates eine weiterverarbeitende Industrie zu etablieren, die die lokalen Produkte exportfaehig macht. Desweiteren ist der Bereich oekologischer Tourismus eine zukunftssichere Moeglichkeit, vom Wald zu leben ohne ihn zu zerstoeren. Allerdings bedarf es hierfuer einer gewissen Infrastruktur, angefangen bei Unterkuenften, ueber Wanderwege und Naturlehrpfade bis hin zu gut ausgebildeten Touristenfuehrern sowie einer effizienten Werbung im In- und Ausland. Auch hierbei leistet die GTZ Unterstuetzung waehrend sich das Umweltministerium (bisher noch?) in Zurueckhaltung uebt. In der Welt der Technik bemueht man sich, z.B. durch Wasserkraftwerke den Lebensstandard der Bevoelkerung auf umweltvertraegliche Art und Weise zu erhoehen und schafft hiermit zugleich Arbeitsplaetze. Und jeder so geschaffene Arbeitsplatz verringert den Druck auf den Wald. Auch im sozialen Bereich wird die Entwicklung vorangetrieben. Es wird ein allgemein hoeherer Lebensstandard angestrebt, verbunden mit einem erhoehten Umweltbewusstsein. Erreicht werden soll dies ueber den Bildungsweg: Umwelterziehung schon in der Grundschule, eine bessere Ausbildung, die auch praktische Elemente enthaelt und das fuer Frauen wie fuer Maenner. Auch neue Arbeitsplaetze sollen gleichermassen an Maenner wie an Frauen vergeben werden, denn soziale Gleichheit ist eine Sache, die hier bisher nur auf dem Papier existiert. Alles in allem eine Menge guter Ansaetze; einige sind schon realisiert, viele bisher nur geplant. Bleibt zu hoffen, dass bei der Umsetzung in die Tat nicht allzu viele Abstriche gemacht werden muessen. |