Selva Viva - Geschichte

Das Regenwaldprojekt Selva Viva verdankt seine Existenz dem glücklichen Zusammentreffen von vielen Faktoren. Vier Personen waren von Anfang an daran beteiligt: Christine und Siegfried von Steiger, Remigio Canelos und Angelika Raimann.

1990 reiste Angelika ins Amazonasgebiet von Ecuador, um endlich wieder einmal feuchtwarm zu haben, und auch um einen Ort und ein Thema für eine Doktorarbeit zu finden. Sie landete im Hotel Anaconda, welches drei wichtige Dinge vorwies: Wunderschönen Primärregenwald, einen Besitzer der Regenwaldforschung unterstützt, und einen indianischen Waldführer Remigio, der mehr über die Zusammenhänge im Oekosystem Regenwald wusste als sie nach 5 Jahren Studium. Zurück in der Schweiz beschloss sie, die Doktorarbeit wirklich in Ahuano zu machen, aber aus Sicherheit wollte sie nochmals drei Wochen lang einige Fragen klären vor Ort. Am billigsten war es, als Dolmetscherin auf Anaconda zu arbeiten.

Der Zufall wollte, dass Remigio und Angelika ein Geschwisterpaar namens Christine und René Lazecki durch den Wald führten. Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit, und man behielt Kontakt zueinander. Angelika zog im Juli 1991 defintiv nach Ecuador, um ihre Dissertation in Angriff zu nehmen. Christine Lazecki kam bald darauf nochmals in den Regenwald, zusammen mit ihrem zukünftigem Mann Siegfried von Steiger. Der beklagte sich sehr bald, dass man ja fast keine Tiere sehen würde in diesem Wald. Und dass ausserdem alle von Regenwaldschutz reden, aber keiner etwas tun würde. Auch Angelika klagte darüber, dass es sogar fragwürdig wäre, ob ihre Walduntersuchungsflächen bis zum Schluss ihrer Feldarbeit noch Wald sein würden, so schnell ging es in der Gegend mit der Abholzung voran. Am Schluss des Aufenthaltes von Christine und Siegfried war die Idee geboren.

Christine wollte einen Zoo aufbauen, der nach zwei Jahren unter Remigios Leitung selbsttragend sein sollte. Und Sigi wollte 200 Ha Regenwald kaufen und unter Schutz stellen, so dass Angelika sichere Untersuchungsflächen zur Verfügung hätte. Er wollte in der Schweiz eine Genossenschaft zum Schutz des Regenwaldes (GSR) gründen. Remigio fand die Idee des Zoos gut, doch noch besser wäre eben eine Wildtierauffangsstation. Das Gesetz in Ecuador verlangt nämlich, dass der Staat Wildtiere beschlagnahmt, die ohne Erlaubnis gehandelt werden oder schlecht gehalten werden. Doch dann, wohin damit? Es war damals auch üblich, dass die meisten Urwaldhotels Tiere hielten, unter erbärmlichsten Bedingungen, um sie den Touristen vorzuführen. Eine Tierauffangsstation würde also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den beschlagnahmten Wildtieren ein Zuhause geben, und den Touristen die Möglichkeit geben, diese Tiere in ihrem natürlichem Umfeld zu beobachten. Christine beauftragte Remigio und Angelika, sich nach einem geeigneten Wald umzusehen, und so wurden im Januar 1993 in Christine von Steigers Namen die 39 Ha des amaZOOnicos gekauft. Christine liess sich auf dem Land ein Haus bauen, Remigio und Angelika bauten das ihre daneben.

Ein Jahr später kamen die ersten Touristen. Die ersten Tiere hatten wir schon, bevor die Idee des amaZOOnicos geboren wurde. Der amaZOOnico wurde 1994 als Wildtierauffangsstation staatlich annerkannt und bekommt seitdem Tiere (und Kontrolleure) zugeschickt.

Christine von Steiger finanzierte den amaZOOnico bis August 1995, seitdem lebt die Station von den Eintritten der Besucher, den Verkäufen an der Bar und den Spenden der Besucher und der amigos del amaZOOnico, einer Gruppe von Leuten aus Europa. Was den Wald anbetrifft, stellte es sich sehr bald heraus, dass 200 Ha zu wenig waren, um Wald und Wild wirklich zu schützen. Es wurden mehr und mehr Genossenschafter gesucht, bis man schliesslich bei 100 angelangt war (Januar 1999) und rund 1100 Ha Wald unter Schutz waren, GSR , Privatpersonen und der Indiogemeinschaft von Ahuano gehörend. Der Wald wurde im September 1995 als Schutzwald Selva Viva vom Staat annerkannt.

Da das Geld von GSR nie reichte, um Angelika einen Lohn zu zahlen, und auch die Einkünfte des amaZOOnicos gerade für das Essen reichen, haben Remigio und Angelika im Sommer 1998 beschlossen, ein Hotel aufzubauen, Liana Lodge, um damit ihren Lebensunterhalt und eine Teil der Ausgaben des Projektes Selva Viva zu decken. Dank Kredit von Verwandten und Freunden konnte im Oktober 1998 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das Hotel wurde am 1. Juli 1999 mit 24 Betten eröffnet. Wenn alles gut läuft, das heisst vor allem wenn wir genug Gäste bekommen, sollte das Hotel nach 5-6 Jahren aus den roten Zahlen heraus sein, und zur Finanzierung von Selva Viva beitragen können.

An Ideen mangelt es uns nicht, wie wir das Geld einsetzen könnten: Mehr Waldhüter, Ausbildung von Waldführern, Umwelterziehung in den Schulen von Ahuano, grössere Gehege für die Tiere, Aufzuchtsgehege, ein Agutizuchtprojekt, eine Baumschule, Anpflanzung von Mahagonibäumen...- die Liste liesse sich beliebig fortsetzen!

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